Lebensraummanagement ist Gemeinschaftsarbeit. Denn DMOs gestalten ihre Stadt oder Region nicht allein, sondern im Zusammenspiel mit Gemeinden, Politik, touristischen Betrieben, Wirtschaft, Vereinen, Mobilitätsanbietern und der Bevölkerung.
Professionelles Stakeholdermanagement wird damit zu einer zentralen Aufgabe, bei welcher es nicht darum geht, möglichst viele Menschen in möglichst viele Beteiligungsformate zu holen. Stattdessen gilt es, das Thema Beteiligung wirklich zielführend anzugehen.
Beteiligung beginnt nicht mit dem Format
In der Praxis wird Beteiligung häufig vom Format her gedacht, also beispielsweise: Wir planen einen Workshop. Wir organisieren einen Austausch. Wir veranstalten ein Barcamp.
Sinnvoller ist es allerdings, bereits einen Schritt früher anzusetzen. Denn nicht jede Person und nicht jede Organisation oder jedes Unternehmen muss bei jedem Thema gleich stark eingebunden werden. Einige Stakeholder verfügen über Entscheidungskompetenz, andere bringen wichtiges Wissen ein oder sind von dem jeweiligen Thema unmittelbar betroffen. Stakeholder können sowohl Entwicklungen unterstützen und beschleunigen als auch blockieren. Vor der Format-Frage gilt es deshalb zu beantworten: Wen brauchen wir eigentlich wofür?
1. Wer sind unsere relevanten Stakeholder?
Eine systematische Stakeholderanalyse hilft dabei, den Blick zu weiten und nicht nur mit den ohnehin bekannten Partnerinnen und Partnern zu arbeiten. Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel:
- Wer gestaltet den Lebensraum aktiv mit?
- Wer ist von einer Entwicklung besonders betroffen?
- Wer verfügt über relevantes Wissen, Ressourcen oder Einfluss?
- Wer kann Entscheidungen mittragen oder beeinflussen?
- Welche Gruppen werden bislang möglicherweise zu wenig berücksichtigt?
Gerade im Lebensraummanagement lohnt sich dieser strukturierte Blick, da relevante Stakeholder aus unterschiedlichen Branchen kommen.
2. Welche Form der Beteiligung braucht es?
Sind die relevanten Akteurinnen und Akteure identifiziert, stellt sich die nächste Frage: Wie stark sollen sie eingebunden werden? Eine einfache Unterscheidung ist dabei folgende:
- Informieren: Die Partner sollen wissen, was passiert und wie sich ein Vorhaben entwickelt.
- Konsultieren: Erfahrungen und Einschätzungen werden gezielt eingeholt.
- Mitgestalten: Stakeholder entwickeln gemeinsam Themen, Lösungen oder Maßnahmen.
Nicht jede Person muss mitgestalten. Gleichzeitig reicht reine Information nicht aus, wenn Wissen, Akzeptanz oder Mitwirkung für den Erfolg eines Projekts entscheidend sind. Wichtig ist es dabei, transparent zu machen, welcher tatsächliche Wirkungs- und Gestaltungsspielraum besteht. Dies vermeidet falsche Erwartungen und schärft die zielgerichtete Ausgestaltung von Beteiligungsprozessen.
3. Welches Format passt dazu?
Erst im nächsten Schritt sollte entschieden werden, welches Beteiligungsformat sinnvoll ist. Je nach Ziel können Informationsveranstaltungen, Interviews, Fokusgruppen, Workshops oder offenere Beteiligungsformate geeignet sein.
Ein Beispiel für Beteiligung sind Barcamps. Anders als bei klassischen Konferenzen wird das Programm bei diesen nicht vollständig vorab festgelegt. Die Teilnehmenden bringen eigene Themen und Fragestellungen ein und gestalten die Agenda gemeinsam. Gerade im Lebensraummanagement kann das hilfreich sein: Unterschiedliche Perspektiven werden sichtbar, Wissen wird geteilt und Themen kommen auf den Tisch, welche die zentrale Organisation selbst möglicherweise noch nicht im Blick hatte. Doch auch hier gilt: Das Format folgt dem Ziel und nicht umgekehrt.
Von der Analyse in die Praxis
Professionelles Stakeholdermanagement bedeutet also, bewusst zu entscheiden: Wer ist relevant? Warum? Welche Rolle soll die Person oder Organisation übernehmen? Und welche Form der Beteiligung passt dazu?
Wir von Realizing Progress haben unterschiedliche Instrumente entwickelt, die bei der praktischen Umsetzung unterstützen:
- Das Workbook „Von der DMO zum Lebensraumgestalter“ enthält unter anderem Methoden, relevante Stakeholder zu identifizieren, ihre Bedeutung einzuordnen und zu klären, welche Form der Einbindung sinnvoll ist.
- Der Praxisguide „Barcamps wirksam organisieren“ setzt einen Schritt später an. Er zeigt, wie ein Barcamp als konkretes Format für Austausch, Vernetzung und Mitgestaltung vorbereitet und umgesetzt werden kann.
Gerade für Destinationen, die stärker in Richtung Lebensraummanagement arbeiten, ist professionelles Stakeholdermanagement eine zentrale Kompetenz. Denn wirkungsvolle Zusammenarbeit entsteht nur, wenn die richtigen Menschen zur richtigen Zeit auf die richtige Weise zusammenkommen.
Kontakt:
Kristine Honig
Realizing Progress
kristine@realizingprogress.com